Einfach mal machen – Verknallt in Food-Fotografin Yelda Yilmaz

Seit fast fünf Jahren folge ich Yelda Yilmaz durch die Welt der Sozialen Medien. Als Junior-Texterin mit Begeisterung für alles, was mit Essen zu tun hat, wollte ich sein, wie sie. So kreativ und begabt. Ich wollte den Mut haben, einfach mal zu machen. Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis ich die Chance auf einer Magazin-Release-Party ergriff und ihr sagte, wie toll ich ihre Arbeiten finde. Mut, der sich lohnte. Denn die Food-Fotografin lud uns zu sich nach Hause für ein Gespräch ein und schenkte unserem Fotografen Felix Valentin bereits beim ersten Treffen so viel Vertrauen, dass er das Interview in ihrer Wohnnung in Hamburg-Ottensen in Bildern festhalten konnte.

„Als ich nach Hamburg zog, um zu studieren, habe ich mich im Grunde nur von Nudeln und Pesto ernährt. Zu Hause hatte meine Mutter fast aus­schließlich Türkisch gekocht. Für mich war es selbst­verständlich, dass immer gutes Essen auf den Tisch kam. Das vermisste ich sehr“, erinnert sich Yelda Yilmaz. Also fing sie einfach an, selbst die Speisen zu kochen, nach denen sie sich so sehr sehnte. In ihrer Studenten-WG-Küche bereitete sie fortan Auf­wändiges wie gefüllte Wein­blätter und Mantı (Türkische Teigtaschen) zu. Seitdem sind einige Jahre vergangen. Und aus Yelda ist nicht nur eine passionierte Köchin, sondern auch eine gefragte Food-Fotografin geworden. Ihre Fotos machen Lust, in Küchen fremder Länder einzu­tauchen, sich an den Herd zu stellen und seine Freunde, die Familie oder sich selbst zu bekochen.

Yelda Yilmaz: Die Fotografin wurde durch Food Swap bekannt

Kaum verwunder­lich, dass uns, als wir uns für ein Gespräch bei ihr zu Hause treffen, ein Esstisch, reich gedeckt mit allerlei foto­genen Köstlich­keiten, erwartet. Während wir uns durch Brot, verschiedene Käse, Früchte und Törtchen schna­bulieren, erzählt sie uns von Food Swap, ein Projekt, das sie 2015 mit ihrer Freundin Swantje gegründet hat. Das Prinzip: Jeder, der zum Food-Swap-Dinner kommt, bringt ein Gericht mit. Alle Gerichte werden dann in gemüt­licher Runde verspeist. Nachdem zusammen gegessen und geschnackt wurde, kann sich jeder etwas von den Gerichten und die Rezepte mit nach Hause nehmen. Ein Konzept, mit dem Swantje und Yelda ziemlich erfolg­reich waren. Zahlreiche Medien berichteten. Die Nachfrage nach Food Swaps war so groß, dass sie mit der damit verbundenen Arbeit gar nicht mehr hinterherkamen. Es wurde zu einem extrem zeit­aufwendigen Projekt, das die beiden Freundinnen liebten, das aber kein Geld einbrachte. „Irgendwann kam ein Verlag auf uns zu und fragte uns, ob wir nicht ein Food-Swap-Kochbuch machen wollen. Wir sagten zu und produ­zierten die Inhalte in Eigenregie. Das war das erste Kochbuch, das ich gemacht habe. Ich hatte davor zwar schon mit Food-Fotografie gelieb­äugelt und hatte mich im Food-Styling versucht, aber es noch nie professionell gemacht“, erzählt Yelda. „So sieht es meiner Meinung nach auch aus. Es ist nicht rund, nicht perfekt. Und ich würde es heute komplett anders machen. Aber so ist das wohl einfach mit kreativer Arbeit: Man entwickelt sich immer weiter.“

Ich will diese Massentierhaltung nicht mehr unterstützen. Wir sind so viele Menschen auf der Welt, dass es einfach nicht mehr möglich ist, so viel Fleisch zu essen.Yelda Yilmaz

Das Projekt Food Swap Hamburg stellten die beiden ein, als Swantje schwanger wurde. Yelda blieb weiter­hin fest in der Food-Szene verankert, startete einen Food-Blog mit einem Freund und wurde angefragt, ein Kochbuch über die Küche Istanbuls zu machen. Ein Angebot, das sie gerne annahm und ein Buch, für das sie nach Istanbul reiste und bei dessen Produktion sie von ihrer Mutter unterstützt wurde. „Ein Tag in Istanbul“ produzierte sie 2017 und ist eine Hommage an ihre türkischen Wurzeln. Noch heute hat sie Familie am Schwarzen Meer. Eine wunder­schöne Region, wie Yelda findet, und eine Region mit köstlichem Essen, zu dem die Vege­tarierin ein gespaltenes Verhältnis hat. „Die türkische Küche hat einfach sehr, sehr viele köstliche Fleisch­gerichte. Ich meine, wie gut ist Kebab, bitte? Ich vermisse es manchmal schon, weil diese Gerichte so unfassbar lecker sind und glücklich machen. Ich verzichte aber aus ethischen Gründen darauf. Ich will diese Massentier­haltung nicht mehr unterstützen“, macht die Fotografin deutlich. „Wir sind so viele Menschen auf der Welt, dass es einfach nicht mehr möglich ist, so viel Fleisch zu essen. Falls ich in Zukunft mal einen Garten habe, in dem zehn Hühner laufen und irgendwann ist eins total alt – vielleicht würde ich dann noch einmal darüber nachdenken.“

Kulinarik & Keramik: Zukunftsträume einer Food-Fotografin

Wie innig ihre Beziehung zu Essen und guten Lebens­mitteln ist, spürt man auch in ihrem letzten Kochbuch „Halb Zehn“. Rezepte für selbst­gebackene Croissants und hausgemachtes Möhren-Ingwer-Bircher reihen sich in dem rosa Schätzchen an Kochanleitungen für Shakshuka mit Feta und Zough. Kreiert hat diese Freundin Agnes Prus, mit der sie das Buch gemeinsam produziert hat. „Diese Frau ist unfassbar witzig! Man kann sie nicht nicht mögen.“, schwärmt Yelda. „Und sie schreibt so gut!“ Doch nicht nur die Zusammen­arbeit mit Agnes war für die Fotografin etwas Besonderes, mit dem Kochbuch fand sie auch ihre fotografische Handschrift. „2-3 Jahre brauchte ich, um sie zu finden. Das ist das erste Buch bei dem ich sagen kann: Die Fotos gefallen mir wirklich selbst“, erzählt sie, während sie noch ein Stück Törtchen von einem Teller nascht, den sie selbst getöpfert hat. Dass Food-Fotografen einen Faible für schönes Geschirr haben, ist nichts Besonderes – dass sie es selbst herstellen hingegen schon. Seit einem halben Jahr töpfert sie und kann sich gut vorstellen, auch damit irgend­wann einmal Geld zu verdienen. Ein kleiner Zukunfts­traum, der in meinem Kopf sofort Gestalt annimmt. Man sieht sie schon – die dunklen Haare halb hoch­gebunden und in Latzhosen – Tassen und Schalen formen. In einem Haus mit Atelier irgendwo am Wasser. Und ich denke mir wieder: Sollte man vielleicht wirklich einfach mal machen.

Wir bedanken uns bei Yelda für einen wunderbaren Sommerabend mit leckerem Essen, tollen Drinks und intensiven Gesprächen. Es war etwas ganz Besonderes! Mehr von Yelda Yilmaz und ihren aktuellen Projekten findet ihr auf ihrer Website: yeldayilmaz.de

4 comments

  1. Wunderschön geschrieben! Ich träum jetzt vom Schwarzen Meer und Dinner mit Freunden. Die Bilder und das Interview vermitteln ein so intensives Portrait, dass man für einen Moment glaubt, Yelda persönlich zu kennen! Wow!

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